17. März 2017
25. August 2014
Zaudernde Zentralbanken in Jackson Hole
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| Gebirgspanorama in Jackson Hole |
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Rainer Falk
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31. Januar 2014
Aufstrebende Volkswirtschaften unter Druck: Ende eines Zyklus
| Währungsabsturz in Schwellenländern (Quelle: FT) |
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Rainer Falk
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3. September 2013
St. Petersburg: Wozu die G20 (nicht) gebraucht werden
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Rainer Falk
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29. August 2013
Zwischen Jackson Hole und St. Petersburg: Waehrungspolitik? Fehlanzeige!
| Währungen unter Druck |
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Rainer Falk
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13. Februar 2013
Die G20 im Wechselkurs-Krieg
* Die G7-Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"We, the G7 Ministers and Governors, reaffirm our longstanding commitment to market determined exchange rates and to consult closely in regard to actions in foreign exchange markets. We reaffirm that our fiscal and monetary policies have been and will remain oriented towards meeting our respective domestic objectives using domestic instruments, and that we will not target exchange rates. We are agreed that excessive volatility and disorderly movements in exchange rates can have adverse implications for economic and financial stability. We will continue to consult closely on exchange markets and cooperate as appropriate."
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Rainer Falk
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30. August 2012
Jackson Hole 2012: Konklave der Zentralbanker
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Rainer Falk
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6. April 2011
Globales Währungssystem in der Debatte
Eine Einigung über eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems ist zwar noch in weiter Ferne. Doch dank der französischen G20-Präsidentschaft hat wenigstens die Diskussion darüber begonnen. Dabei zeigt sich, dass sich vor allem die US-Regierung mit Händen und Füßen gegen alles wehrt, was die Leit- und Reservewährungsfunktion des US-Dollars in Frage stellen könnte. Auf einem hochrangigen Seminar der G20 in der letzten Woche in Nanjing/China, auf dem über das Thema diskutiert wurde, legte US-Finanzminister Timothy Geithner die Latte für eine Aufwertung der IWF-Sonderziehungsrechte und eine Einbeziehung des Renminbi in diesen internationalen Währungskorb so hoch, dass das Interesse der Chinesen an derlei Projekten sichtlich abgekühlt ist, obwohl sie eigentlich die Auslöser der Debatte sind. Geithner sagte, nur solche Währungen sollten in den SZR-Korb einbezogen werden, die einem flexiblen Wechselkurs unterliegen, unabhängige Zentralbanken haben und den freien Fluss von Kapital gestatten – alles Punkte, die die chinesische Währung außen vor halten.
Im Vorfeld des G20-Seminars hatte eine Gruppe von internationalen Wissenschaftlern um Joseph Stiglitz, die sog. Gruppe von Peking, einen „moderaten Vorschlag“ zur Aufwertung der SZR ins Gespräch gebracht, um die Notwendigkeit der Selbstversicherung durch hohe Währungsreserven gegen externe Schocks zu reduzieren, die rezessiven Grundtendenzen in der Weltwirtschaft zu verringern und den IWF unabhängiger von seinen finanzstarken Mitgliedsländern zu machen (>>> Statement der Gruppe von Peking). Doch wie sich zeigt, lassen die USA an ihrem Veto im IWF nicht rütteln. In Nanjing beklagte Geithner die Asymmetrie zwischen frei floatenden Währungen und den „gemanagten Wechselkursregimen und sehr weitgehenden Kapitalverkehrskontrollen“ „einiger Schwellenländer“ – eine deutliche Breitseite gegen China.
In dem letzten Punkt – Kapitalverkehrskontrollen – ist die Diskussion im IWF inzwischen deutlich weiter (was vielleicht als Indiz dafür gewertet werden kann, dass die Unbeweglichkeit der USA in dieser Frage einmal lästig werden könnte). Gerade eben hat das Exekutivdirektorium des Fonds erstmals einen Entwurf für Leitlinien zur Kontrolle spekulativer Kapitalflüsse beschlossen – ein Instrument, das er einst strikt ablehnte (>>> IMF Develops Framework to Manage Capital Inflows). Und der Geschäftsführende Direktor des Fonds, Dominique Strauss-Kahn, spricht jetzt davon, dass der Washington Consensus „eindeutig hinter uns“ liege (>>> Rede in Washington). Allerdings hat Robert Johnston von der Statistik-Behörde der UNO sicher recht, wenn er sagt: „Die Sonderziehungsrechte mögen die ‚beste Alternative‘ zum Dollar sein (wie es im Statement der Gruppe von Peking heißt), doch wir dürften uns noch wundern, wie viele Krisen es noch braucht, bis die USA bereit sind, ihnen eine Chance zu geben.“
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Rainer Falk
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20. Februar 2011
G20-Finanzminister: Slow-Start statt Quick-Start
Wenn das Treffen der G20-Finanzminister an diesem Wochenende etwas gezeigt hat, dann dies: Auch unter französischer Präsidentschaft bleibt der Fortschritt eine Schnecke. Und das ist noch wohlwollend formuliert. Am Vorabend des Treffens hatte der brasilianische Finanzminister Guido Mantega in einem Interview gefordert, man solle lieber über die Ursachen der globalen Ungleichgewichte reden als sich darüber Gedanken zu machen, mit welchen Indikatoren man sie messen kann, und forderte eine „grundlegende Reform des internationalen Währungssystems“.
Doch faktisch überragte der Streit um Indikatoren alle anderen Themen des Treffens. Am Ende stand ein Satz aus 53 Wörtern, der jetzt alle Seiten zufrieden stellt. Er lautet:
„While not targets, these indicative guidelines will be used to assess the following indicators: (i) public debt and fiscal deficits; and private savings rate and private debt (ii) and the external imbalance composed of the trade balance and net investment income flows and transfers, taking due consideration of exchange rate, fiscal, monetary and other policies.”Die von China nicht gewollte Erwähnung der Leistungsbilanz wird jetzt umgangen, indem von “externem Ungleichgewicht” gesprochen wird, das sich aus der Handelsbilanz und Nettokapitalzu- und –abflüssen zusammensetzt. Auch die Erwähnung des Realen Effektiven Wechselkurses (REER) konnte China verhindern. Dabei ist die Erstellung des Indikatorensets lediglich der erste Schritt zur Erarbeitung „indikativer Leitlinien“, mit deren Hilfe die Indikatoren länderweise bewertet werden sollen. Dies soll jetzt auf dem Frühjahrstreffen der G20-Finanzminister im April erfolgen.
Überhaupt liest sich das Kommuniqué eher wie ein Arbeitsprogramm als eine Beschlussliste. Bis Oktober soll der IWF im Rahmen seines „Mutual Assessment Process“ (MAP) eine Einschätzung der Ungleichgewichte der G20-Länder vorlegen. Ansonsten folgt das Kommuniqué zwar formal den drei Hauptpunkten der französischen G20-Agenda: Reform des internationalen Währungssystems, Bekämpfung der Preisvolatilität auf den Rohstoffmärkten und Reform des Finanzsektors. Doch bereits jetzt zeichnen sich die Rückzieher der französischen Regierung ab: So ist nicht mehr von der Reform, sondern lediglich von der „Stärkung“ des internationalen Währungssystems die Rede. Statt der von Schwellenländern wie Brasilien und China geforderten Aufwertung der Sonderziehungsrechte (SZR) und der Einbeziehung von Real und Renminbi in den SZR-Währungskorb wird die „Rolle der SZR“ nur allgemein erwähnt. Die von Frankreich unterstützte Finanztransaktionssteuer kommt in dem Dokument nicht vor.
Immerhin werden der Rat für Finanzstabilität (FSB) und andere internationale Organisationen beauftragt, bis zum Herbst Schritte zur Regulierung und Aufsicht über die Rohstoffderivate-Märkte sowie die Stärkung der Transparenz und den Kampf gegen Marktmissbrauch zu entwickeln. In puncto Finanzsektor werden die fortbestehenden Regulierungslücken, vor allem im Bereich des Schattenbankensystems, hervorgehoben. Auch dazu werden zwei Berichte bis zum Herbst erstellt, der eine von IWF, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) und FSB, der andere von FSB, IWF und Weltbank.
Alles in allem also lässt sich sagen: Die französische Regierung hat auf dem ersten Ministertreffen unter ihrer G20-Präsidentschaft einen eher gemächlichen Start hingelegt. Ob sich so der versprochene neue Schwung im G20-Prozess erzeugen lässt, kann bezweifelt werden. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde (>>> Foto) hat schon Recht: „Die G20 müssen sich neu beweisen.“
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Rainer Falk
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18. Februar 2011
Neues globales Reservesystem als G20-Thema
Rund ein Jahrhundert lang war der US-Dollar die beherrschende Weltwährung. Mit der Ablösung des Pfunds als globaler Leitwährung fehlte dem Greenback jahrzehntelang ein ernstzunehmender Rivale. Mit der Schaffung des Euro änderte sich das. Der Anteil der in Dollar gehaltenen ausländischen Reservewährungen fiel im letzten Jahrzehnt auf ca. 60%. Der Anteil des Euro stieg entsprechend auf über 25% (s. Grafik im vorhergehenden Blogeintrag).
Mit der Überwindung der Krise im Euroraum, der besseren Koordinierung der Wirtschaftspolitik und der wahrscheinlichen Ausgabe gemeinsamer Euro-Bonds (Anleihen) dürfte die Attraktivität des Euros als Anlage- und Reservewährung weiter steigen. Zugleich erwächst dem Dollar mit dem Aufstieg Chinas ein weiterer potentieller Konkurrent, sollte sich der chinesische Renminbi mit der Herstellung voller oder teilweiser Konvertibilität als globale Reservewährung qualifizieren können.
Ein weiterer Baustein in einem neuen globalen Reservesystem sind die Sonderziehungsrechte (SZR). Diese wurden schon im Gefolge des Londoner G20-Gipfels um 250 Mrd. Dollar aufgestockt. Sie könnten in Zukunft weiter anwachsen und - in Verbindung mit der Einrichtung eines Substitutionskontos beim IWF - Ländern die Möglichkeit bieten, ihre hohen Dollarreserven einzutauschen (was das Gewicht des Dollars als Reservewährung weiter reduzieren würde).
Der Übergang der chinesischen Währung zur Konvertibilität wird allerdings noch gebremst durch die hohe Volatilität des internationalen Währungssystems, der dann auch der Renminbi ausgesetzt wäre. Gelänge es, das Währungssystem, beispielsweise über die Einführung von Zielzonen, zu stabilisieren, erschiene die Konvertibilitätsproblematik auch für China in einem anderen Licht. Bereits heute hat China begonnen, die internationale Nutzung seiner Währung - beispielsweise für die Ausgabe Renminbi-denominierter Anleihen in Hongkong oder im regionalen Handel - zu ermutigen.
Der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick, ein alter Kämpe aus der Bush-Regierung, verfehlt in seinem heutigen Kommentar allerdings wieder einmal den entscheidenden Punkt: Als ginge es nur darum, die restliche Welt an das jahrzehntelange G7-Modell der frei schwankenden Wechselkurse heranzuführen, will Zoellick die Schwellenländer, allen voran China, über die G20 allmählich an die volle Konvertibilität ihrer Währungen heranführen. Dabei besteht die Crux ja seit Anfang der 1970er Jahre darin, dass der Preis der Währungen – wie die Preise von Schweinehälften – auf deregulierten Märkten bestimmt wurde. Genau das ist heute nicht mehr gewollt.
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Rainer Falk
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16. Februar 2011
G20-Finanzminister auf dem Weg nach Bretton Woods II?
"Jede Idee ist willkommen, auch Bandbreiten für Wechselkurse", sagte die französische Finanzministerin Christine Lagarde kürzlich in einem Interview mit dem Spiegel. Sie sei stets vorsichtig mit allzu ambitionierten Zielen, "wenn wir aber so ein System hinkriegen und es von der Nachwelt Bretton Woods II genannt wird, soll mir das recht sein". Es war das erste Mal, dass ein französisches Regierungsmitglied das Wort wieder in den Mund nahm, seit der französische Präsident Sarkozy 2009 in Davos damit Furore gemacht hatte, es danach aber wieder aus dem Verkehr gezogen hatte, um nicht zu viel innerhalb der G20 Widerstand zu provozieren. Bretton Woods II steht für ein grundlegend überholtes internationales Währungssystem – eine Top-Priorität auf der französischen G20-Agenda.
Kurz vor dem ersten Finanzministertreffen unter französischer Präsidentschaft, das am Freitag und Samstag in Paris stattfindet, sieht es freilich nicht nach einem großen Wurf aus, der diesen Namen verdienen würde. Angesagt ist eher Kleinarbeit, z.B. der Versuch einer Einigung auf jene indikativen Leitlinien, mit deren Hilfe Ungleichgewichte in der Außenbilanz der G20-Mitgliedsländer identifiziert werden sollen – eine Hausaufgabe, die die Finanzminister vom G20-Gipfel in Seoul geerbt haben. Einen breiten Ansatz vertritt in dieser Frage die EU, die will, dass ein Set an Indikatoren Berücksichtigung findet, wenn Ungleichgewichte definiert werden: die Leistungsbilanz, das öffentliche Defizit und die Verschuldung, die Privatschulden, die Sparrate, die Auslandsvermögensposition, die Währungsreserven und der reale effektive Wechselkurs. Während für die EU-Kommission die Leistungsbilanz von zentraler Bedeutung ist, will die chinesische Regierung vor allem die Handelsbilanzen ansehen, um globale Ungleichgewichte zu messen. Die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) macht sich hingegen seit einiger Zeit für den realen effektiven Wechselkurs (REER) stark, der auch Faktoren wie Arbeitskosten und Produktivitätsentwicklung berücksichtigt und damit ein realistischeres Bild als reine Außenwirtschaftsindikatoren zeichnet (>>> UNCTAD Policy Briefs 19).
Eine Einigung in dieser Frage wäre nicht von Übel, weil dies die Voraussetzung wäre, um Grenzen für Überschüsse und Defizite festzulegen, ab deren Überschreitung gehandelt werden müsste (wie es US-Finanzminister Geithner im Vorfeld von Seoul vorgeschlagen hat). Dies wäre allerdings noch nicht identisch mit dem Konzept der Wechselkurszielzonen, wie es eine Gruppe fortschrittlicher Ökonomen um Oskar Lafontaine in seiner Zeit als Finanzminister entwickelt hatte und jetzt unter anderen Vorzeichen wieder ins Gespräch kommen könnte. Die Reduzierung der Wechselkursschwankungen ist jedenfalls in vieler Hinsicht eine Gretchenfrage, auch mit Blick auf ein neues internationales Reservesystem, an dem die chinesische Währung Renminbi und die IWF-Kunstwährung der Sonderziehungsrechte partizipieren könnten (>>> W&E 02/2011: Der IWF im internationalen Währungssystem). Da der Trend zu einem multipolaren Währungssystem ohnehin nicht aufzuhalten ist, schlägt der einflussreiche US-Ökonom Fred Bergsten der US-Regierung heute schon einmal vor, sie sollte sich nicht ins Bremserhäuschen setzen, sondern den Trend nach Kräften mit befördern. Denn wenn die Lasten gleicher unter drei globale Reservewährungen verteilt würden, wäre das auch gut für den Dollar.
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Rainer Falk
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10. November 2010
Chinas Weitsicht und Keynes Weisheit: Der G20 ins Stammbuch!
Als „golden opportunity“ für eine Reform des internationalen Währungssystems sieht der preisgekrönte Keynes-Biograph Robert Skidelsky die Situation am Vorabend des G20-Gipfels (>>> A golden opportunity for monetary reform). In seinen Kommentaren wies der emeritierte Professor der Warwick University und Mitglied des britischen Oberhauses in der letzten Zeit mehrfach darauf hin, dass es grob zwei Strategien gebe, um die aktuellen Leistungsungleichgewichte zu bekämpfen, die Schwächung des chinesischen Anreizes zur Bildung von Devisenreserven und die Lösung des Beschäftigungsprobleme innerhalb der Defizit- und Überschussländer. Skidelsky im Wortlaut:
Im April 2009 schlug Zhou Xiaochuan, Gouverneur der Chinesischen Volksbank, die Schaffung einer „übernationalen Reservewährung“ vor, um die „inhärenten Risiken“ einer kreditbasierten nationalen Reservewährung zu beseitigen. Diese neue Währung, die aus den Sonderziehungsrechten (SZR) entwickelt werden sollte, würde im Laufe der Zeit die nationalen Reservewährungen ersetzen.
Ein „Substitutionskonto“ beim IWF würde es den Ländern ermöglichen, ihre bestehenden Reserven in SZRs umzutauschen. Das Prinzip dahinter ist, dass eine kollektive Versicherung billiger und somit weniger deflationär wäre als eine Selbstversicherung. Chinas geringerer Appetit auf Reserven würde sich in einer Aufwertung seiner Währung und einer Verringerung seines Handelsüberschusses niederschlagen.
Dieser weitsichtige chinesische Vorschlag hat das Reißbrett nie verlassen. Stattdessen haben die USA intensiven Druck auf China ausgeübt, den Renminbi neu zu bewerten. Das Ergebnis ist ein Wortgefecht, das leicht zu etwas Schlimmerem werden könnte.
Die USA werfen China vor, seine Währung zu tief zu bewerten, während China die lockere US-Geldpolitik dafür verantwortlich macht, die Schwellenmärkte mit US-Dollar zu überschwemmen. Das US-Repräsentantenhaus hat einen Gesetzentwurf verabschiedet, der zuließe, dass Zölle auf Importe aus Ländern wie China erhoben werden, die ihre Währungen zu ihrem Vorteil manipulieren.
Unterdessen hat die Abwertung des Dollars in Erwartung einer weiteren quantitativen Lockerung dazu geführt, dass die ostasiatischen Banken ihren Dollar-Kauf verstärkt und Beschränkungen für Kapitalzuflüsse eingeführt haben, um eine Aufwertung ihrer Währungen zu verhindern. Während die asiatischen Länder versuchen, das Kapital draußen zu halten, bewegt sich der Westen in Richtung Protektionismus.
Wir können aus den Erfahrungen der 1930er Jahre lernen. Bei Flut werden alle Boote angehoben; bei Ebbe entbrennt ein hobbesscher Krieg – jeder gegen jeden.
Dies führt uns zurück zu der vorzeitigen Zurücknahme der Konjunkturmaßnahmen. Da die Gesamtnachfrage in Europa und den USA geschwächt ist, wenden sich die Regierungen selbstverständlich den Exportmärkten zu, um die Arbeitslosigkeit im eigenen Land zu verringern. Doch können nicht alle Länder gleichzeitig Handelsüberschüsse erwirtschaften. Der Versuch, dies zu erreichen, muss zwangsläufig zu einer konkurrierenden Währungsabwertung und zu Protektionismus führen.
Schon Keynes bemerkte weise: „Wenn die Nationen lernen könnten, durch ihre Innenpolitik Vollbeschäftigung herbeizuführen … gäbe es keinen dringlichen Grund mehr, warum ein Land einem anderen Waren aufzwingen oder die Angebote seines Nachbarn zurückweisen müsste.“ Der zwischenstaatliche Handel „wäre nicht mehr das, was er derzeit ist, nämlich ein verzweifeltes Hilfsmittel, um die Beschäftigung im Inland aufrechtzuerhalten, indem ausländischen Märkten der Kauf von Waren aufgezwungen und die eigenen Käufe eingeschränkt werden.“ Stattdessen führte er zu „einem freiwilligen und ungehinderten Austausch von Waren und Dienstleistungen, unter beiderseitig vorteilhaften Bedingungen.“
Mit anderen Worten: Der heutige Aufruhr über Währungen und Handel ist ein direktes Resultat unseres Versagens, unsere Beschäftigungsprobleme zu lösen.
Den G20 sei’s ins Stammbuch geschrieben!
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Rainer Falk
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9. November 2010
Endlich! Das Währungssystem kommt ins Bild
Endlich! Kurz vor dem G20-Gipfel in dieser Woche ist die Debatte um ein neues Weltwährungssystem voll entbrannt. Nachdem der Geithner-Plan den Weg zurück in die Zukunft (>>> Ein Ausflug nach Bretton Woods) geöffnet hatte, sagt jetzt auch Obama: „Wir können nicht weitermachen in einer Situation, in der einige Länder massive Überschüsse einfahren und andere massive Defizite einstecken.“ Unerwartete Unterstützung erhielt Obama vom indischen Premierminister Singh, der sagte, die Welt „braucht eine neue Balance zwischen Defizit- und Überschussländern“. Mit Indien plädiert erstmals ein großes Schwellenland aus dem G20-Kreis für einen Ausgleich zwischen Defizit- und Überschuss-Ökonomien in der Weltwirtschaft.
Den Coup der Woche landete allerdings Weltbank-Präsident Bob Zoellick, der in einem Gastkommentar in der Financial Times anregte, über ein neues Währungssystem nachzudenken, an dem „wahrscheinlich der Dollar, der Euro, der Yen und das britische Pfund beteiligt sein (müssen) sowie ein Renminbi, der sich auf eine Internationalisierung hin bewegt und dann auf eine offene Kapitalbilanz“. Er fügte hinzu, man sollte auch in Betracht ziehen, „Gold als einen internationalen Bezugspunkt zu Inflation, Deflation und künftigem Währungswert zu nutzen“. Immerhin nutzten die Märkte heute schon Gold „als alternative Form von Geldanlagen“.
Die letzte Bemerkung kann man getrost vergessen. Denn eine Rückkehr zum Goldstandard – in welcher Form auch immer – wäre unter den heutigen Bedingungen vor allem eine Steilvorlage für Spekulanten. Und tatsächlich hat ja Zoellicks Einlassung am nächsten Tag den Goldspekulanten einen Preissprung beschert. Doch den ersten Teil von Zoellicks Einlassungen hat man in dieser Form bislang nur von Sprechern des chinesischen Zentralbanksystems gehört oder von der Stiglitz-Kommission, die im letzten Jahr den Übergang zu einem neuen Reservesystem forderte. Es ist nicht ohne Ironie, dass jetzt der aus dem Stall der US-Republikaner stammende Weltbank-Präsident, der es gerade noch rechtzeitig vor dem Abgang der Bush-Administration geschafft hat, einen lukrativen Posten zu ergattern, die Notwendigkeit einräumt, den Dollar als Leitwährung durch ein multilaterales System abzulösen. Das sagt mehr als alles andere, wie dringlich die Diskussion um ein neues internationales Währungssystem geworden ist.
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Rainer Falk
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