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17. März 2014

Eurokrise: Geierinvestoren wollen Schadensersatz

Private Investoren und Spekulanten fordern von Griechenland, Spanien und Zypern Kompensationszahlungen in Höhe von über 1,7 Mrd. € - als Schadensersatz für Maßnahmen, die zur Eindämmung der Eurokrise getroffen wurden. Dies geht aus einem neuen Bericht des Transnational Institute (TNI) und des Corporate Europe Observatory (CEO) hervor. Der Bericht mit dem Titel Profiting from Crisis – How corporations and lawyers are scavenging profits from Europe’scrisis countries (“Profitieren von der Krise – Wie Konzerne und Rechtsanwälte aus europäischen Krisenländern Profite herausholen“) lenkt die Aufmerksamkeit auf die ansteigende Welle von Gerichtsverfahren gegen europäische Krisenländer, die dazu führen könnte, dass europäische Steuerzahler für einen zweiten öffentlichen Bailout zur Kasse gebeten werden – diesmal zugunsten spekulativer Investoren.

Der Report argumentiert, dass diese Verfahren zugleich eine lehrreiche Warnung vor den potentiell hohen Kosten des Handelsabkommens zwischen den USA und der EU (TTIP) darstellen, dessen vierte Verhandlungsrunde letzte Woche in Brüssel stattfand. Nach Recherchen der beiden Verfasserinnen, Pia Eberhardt und Cecilia Olivet, nutzen Privatinvestitionen heute schon bestehende Investitionsabkommen, um auf die strapazierten Haushalte europäischer Krisenländer zuzugreifen. Es wäre politischer Irrsinn, den Konzernen unter dem TTIP noch exzessivere Rechte einzuräumen. Für ihren Bericht haben die Autorinnen eine Reihe von Verfahren untersucht, die Investoren derzeit gegen Griechenland, Spanien und Zypern anstrengen. In den meisten Fällen handelt es sich nicht um langfristige Investoren, sondern um solche, die in vollem Bewusstsein der Risiken kurzfristige Krisengewinne realisieren wollten. Sie nutzen die Investitionsabkommen als Vorwand, wenn sich ihre Spekulation nicht auszahlte. Beispielsweise kaufte die slowakische Poštová Bank griechische Schuldtitel, nachdem deren Bonität bereits heruntergestuft worden war, und bekamen hernach ein sehr großzügiges Angebot der Schuldenrestrukturierung. Doch statt dies zu akzeptieren, strebt sie einen wesentlichen besseren Deal an und nutzt dabei das bilaterale Investitionsabkommen zwischen der Slowakei und Griechenland.

Der Report enthüllt auch, wie spekulative Investoren von internationalen Anwaltskanzleien aktiv zu Staat-Investor-Verfahren ermutigt werden. Die Kanzleien profitieren, ob sie die Staaten nun anklagen oder verteidigen, und „erwirtschaften“ erkleckliche Gewinne in diesen Prozessen. Die britische Kanzlei Herbert Smith Freehills beispielsweise wurde beauftragt, Spanien in zwei Fällen zu vertreten und verdiente damit an die 1,6 Mio. €. Derlei und andere Skandalfälle sollten aufhorchen lassen, auch wenn der EU-Handelskommissar de Gucht die Verhandlungen über das Investitionskapitel im TTIP inzwischen auf Eis gelegt hat und Konsultationen durchführen will. Denn es ist keineswegs sicher, ob es sich hierbei um einen echten Rückzug der Kommission oder lediglich um ein PR-Manöver handelt (>>> Der Pseudo-Rückzug der Kommission).

16. Januar 2011

Tunesien - Zusammenbruch einer Konzern-Plattform

Noch am Mittwoch vergangener Woche erschien in der Financial Times die folgende Anzeige:


Die dazu gehörige Internetseite "Think Tunisia" - eine Werbeplattform zur Anlockung ausländischer Investitionen in das "Euromedvalley for industry and technology" funktionierte schon am Tag des Veröffentlichung der Anzeige nicht mehr. Vielleicht ein Glück für die internationalen Investitionsstrategien. Denn ihre heile Welt des Wachstums, des Exportbooms (für Niedriglohnauslagerungen) und paradiesischer Qualifikationsverhältnisse wirkt nur noch peinlich angesichts der Ereignisse der letzten Tage. Ein Beispiel dafür, wie sich die Wirtschaftspropaganda des abgetretenen Ben-Ali-Regimes gerne sah, haben wir aus dem Cache geholt:


Looking For Growth ! Think Tunisia
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