26. August 2013

Wieder da: Das Gespenst der Asienkrise



Noch pumpt die US-Zentralbank FED pro Monat 85 Mrd. Dollar in die Märkte, und doch reicht schon die vage Ankündigung, dass die lockere Geldpolitik nicht endlos fortgeführt werden könnte, um in den Schwellenländern ökonomische Erschütterungen auszulösen. Der Hintergrund: Anders als die Konjunkturprogramme unmittelbar nach der Finanzkrise hat das „Quantitative Easing“ (QE) nicht die Realökonomie stimuliert, sondern die Anleger zu massiven Carry-Trade-Strategien beflügelt, die sich auf der Suche nach Renditen in spekulativen Kapitalzuflüssen in die Emerging Economies niederschlugen. Seit der ersten Ankündigung der Beendigung von QE im Mai und mit den wieder steigenden Zinsen für langfristige Kapitalanlagen in den USA hat sich der Wind nun gedreht und viele Schwellenländer werden zu Opfern massiven Kapitalabflusses.

Wohl haben die Schwellenländer nach der Asienkrise der 1990er Jahre hohe Währungsreserven angelegt, um für solche Situationen gewappnet zu sein. Doch vor allem Länder mit großen Leistungsbilanzdefiziten wie Indien und Indonesien, aber auch die Türkei und Südafrika, stehen jetzt unter Druck, da sie zur Deckung dieser Defizite nach wie vor auf ausländisches Kapital angewiesen sind und ihre bis vor kurzem hohen Wachstumsraten sowieso nachgegeben haben. Die Kombination aus hohen Leistungsbilanzdefiziten, Umkehr der Kapitalflüsse, an Wert verlierenden Währungen und der Aussicht auf steigende Zinssätze kann zu einer tödlichen Mischung werden, so dass bereits wieder von der Rückkehr des Gespensts der Asienkrise die Rede ist. (Ende der 1990er Jahre hatte eine ähnliche Umkehr der Kapitalflüsse im asiatischen Raum zu einer schweren Finanzkrise geführt.)

Und so reiben sich viele Analysen nach der Rückkehr aus der Sommerpause verwundert die Augen: Die Rede vom sensationellen Aufstieg der Schwellenländer ist plötzlich der Beschwörung ihres Abstiegs gewichen, und zurück ist auch die Zeit der Belehrungen, in den Emerging Economies seien Strukturreformen längst überfällig, auch wenn diese noch vor gar nicht allzu langer Zeit als Konjunkturlokomotiven der Weltwirtschaft gepriesen wurden, auf deren Wachstum alle Konjunkturprognosen ihren Optimismus stützten. Natürlich war die Rede vom sensationellen Aufstieg genauso übertrieben wie die von ihrem Abstieg – aber die Titelfrage „Kehrt die Finanzkrise zurück?“ (>>> W&E-Hintergrund Juli 2013) hat über den Sommer sicher neue Nahrung bekommen. Auch der IWF, dessen Image noch aus der letzten Asienkrise ramponiert ist, hat sich vorsichtshalber schon mal in Stellung gebracht. Wie seine Geschäftsführende Direktorin, Christine Lagarde, am Wochenende betonte, „steht der Fonds bereit“, um in den Schwellenländern einzugreifen.

Keine Kommentare: