28. August 2011

Weltwirtschaft in gefährlicher neuer Phase

So brachte denn Jackson Hole doch noch eine kleine Überraschung: Kein führender Politiker hat bislang in so deutlichen Worten vor einem Rückfall in die Rezession und einer weiteren Verschärfung der globalen Finanzkrise gewarnt wie die neue IWF-Chefin Christine Lagarde auf dem Symposium der Zentralbank-Präsidenten in den Bergen von Wyoming. Die Ereignisse in diesem Sommer sind für sie ein klares Zeichen, dass „wir in einer gefährlichen neuen Phase sind“. Die globale Wirtschaft wachse zwar weiterhin, aber nicht genug; einige Ursachen der Krise von 2008 seien angegangen, aber nicht auf adäquate Weise. Wir beobachten sehenden Auges, wie „die fragile Erholung entgleist“. Und: Wenn die Industrieländer erneut in die Rezession fallen, „werden die aufstrebenden Märkte nicht entkommen“.

Interessanter noch als dieser nicht zu überhörende Warnruf ist die Position Lagardes, dass die Politik in der gegenwärtigen Situation „nicht ohne Optionen“ ist. So rief sie dringend zur Rekapitalisierung der europäischen Banken auf (möglichst als „verbindlichen Rekapitalisierung“), um in der europäischen Krise Ansteckungskanäle zu versperren. In puncto Konjunkturpolitik plädiert sie ausdrücklich gegen einen unmittelbaren und exzessiven Austeritätskurs, der den notwendigen Ausschwung abwürgen würde. Fiskalische Konsolidierung ja, aber eher in mittelfristiger Hinsicht; kurzfristig gehe es um die Ankurbelung des Wachstums, da ohne Wachstum auch jede Konsolidierung gefährdet bzw. „unglaubwürdig“ wäre. Gegen die EZB gewandt, sagte sie: „Auch die Geldpolitik sollte sehr anpassungsfähig bleiben, da das Rezessionsrisiko größer ist als das Inflationsrisiko.“

Die neue IWF-Direktorin hat auch das nach wie vor virulente Problem der globalen Ungleichgewichte nicht aus den Augen verloren. Das „Rebalancing“ sei längst noch nicht weit genug vorangekommen, da die Überschussländer nicht genug zur wirtschaftlichen Wiederbelebung beitragen. Da ist sie wieder, die Denkweise, die nicht übersieht, dass Anpassung nicht nur auf Kosten der Defizitländer stattfinden kann, und die den einfältigen deutschen Sparpolitikern ein Dorn im Auge ist.

Über die farblosen Reden von Fed-Chef Bernanke und EZB-Chef Trichet bleibt da kaum noch etwas zu sagen – sie fielen gegenüber Lagarde sichtlich ab. Während Bernanke kaum etwas Neues sagte, ließ Trichet jeden Hinweis darauf vermissen, dass die EZB ihren verfrühten zinspolitischen Kurs demnächst vielleicht korrigieren könnte. Blamiert ist er jedenfalls. Spätestens seit kürzlich die schlechten Konjunkturzahlen der Euro-Kernländer Deutschland und Frankreich bekannt wurden.

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Jackson Hole: Die Reden im Wortlaut

>>> Ben Bernanke: The near- and longer-term prospects for the U.S. economy
>>> Christine Lagarde: Global risks are rising, but there is a path to recovery
>>> Jean-Claude Trichet: Achieving maximum long-term growth

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Kommentare:

Katharina hat gesagt…

Ich bin überrascht, dass in Jackson Hole auch Trichet dort ist (Lagarde ist nicht mehr ganz so eine große Überraschung, immerhin sitzt sie auch in den USA^^). In erster Linie ist es ja das Treffen der einzelnen Teile der Federal Reserve

Aber ein bisschen Vernetzung tut ja durchaus not...

Rainer Falk hat gesagt…

Die Anwesenheit von Trichet in Jackson Hole ist keineswegs überraschend. Schließlich ist das keine Vorstandssitzung der Fed, sondern das regelmäßige Treffen der Zentralbank-Präsidenten aus aller Welt.

Katharina hat gesagt…

Ach ok, ich dachte nur das Haupttreffen der Fed.

Wieder was gelernt ;)

Anonym hat gesagt…

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